GARBSEN GEGEN SUEDLINK
Bürgerinitiativen Garbsen

25.10.2018

Schritt in die richtige Richtung: In Ostfriesland soll größte Power-to-gas-Anlage entstehen

Abbildung: En

Die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink haben schon seit mehr als 2 Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Energiewende nicht mit überdimensionierten Punkt-zu-Punkt-Stromleitungen erreicht werden kann, sondern vor allem durch den Einsatz von Stromspeichern (siehe hier und hier und hier und hier).

Die Erkenntnis ist offenbar mittlerweile gereift: HAZ.de berichtet, dass ein Konsortium bestehend aus TenneT, Gasunie und Thyssengas in Ostfriesland eine 100 Megawatt starke Power-to-gas-Anlage errichten will, um so das Stromnetz zu entlasten. Immerhin stehen riesige Speicherkapazitäten im deutschen Gasnetz zur Verfügung. Die Anlage soll 2022 in Betrieb gehen und sukzessive erweitert werden.

Hier geht's zum Artikel auf HAZ.de

Siehe auch die Pressemitteilung des Konsortiums

20.09.2019

Boykott der Alibiveranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium

Die Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse gegen SüdLink, SüdostLink und Ultranet verkünden ihren Boykott der Alibiveranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium.

Minister Altmeier hatte für den 17.September zu einem Gespräch ins Bundeswirtschaftsministerium eingeladen. Die Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse zitieren in ihrer Pressemitteilung die Aussage Altmaiers, er würde nach halbjähriger Amtszeit jede problematische Leitung persönlich kennen und sogar besucht haben. Im Hinblick auf diese Äußerung hatten die Bündnisse und Bürgerinitiativen auf ein offenes Gesprächsangebot mit gemeinsam abgestimmter Agenda gehofft. Statt dessen nimmt Herr Altmeier aber nun persönlich gar nicht an dem Treffen teil. Ferner sollen die Bürgerinitiativen und Bündnisse an einem für berufstätige Bürger schwierigen Montagstermin auf eigene Kosten nach Berlin anreisen, um sich einer der bereits vielfach absolvierten Alibiveranstaltungen zum Thema Kommunikation beim Netzausbau zu beteiligen.

Die Bürgerinitiatien und Bündnisse halten dies für völlig unangemessen, um den wirklichen Problemen der Trassenführung gerecht zu werden. Bei einer Teilnahme "würde es dem Ministerium ermöglicht, zu behaupten, es hätten 'konstruktive Gespräche' stattgefunden, was bei einem nicht ergebnisoffenen Dialog aber schlicht nicht möglich ist", heißt es. Die Bürgerinititiven und Aktionsbündnisse boykottieren daher diese Alibiveranstaltung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Bei dieser Gelegenheit weisen die Bürgerinitiativen nochmals darauf hin, dass der geplante Netzausbau nicht der Energiewende dient, obwohl dies immer wieder fälschlicherweise behauptet wird. Die neuen Leitungen dienen vor allem dem Transport von Kohle- und Atomstrom, und damit letzendlich der Gewinnmaximierung der Stromerzeuger und Übertragungsnetzbetreiber auf Kosten von Mensch, Natur und Klima.

Hier geht's zur gemeinsamen Pressemitteilung der Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse auf der Seite des Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen SuedLink.

10.08.2018

Erdkabel: Bodenuntersuchungen in Wunstorf

Netzbetreiber Tennet will an verschiedenen kritischen Stellen der SuedLink-Korridorvarianten Bodenuntersuchungen vornehmen, um die baulichen Voraussetzungen für eine mögliche Erdkabelverlegung zu prüfen.

Eine dieser Bodenuntersuchungen soll in Wunstorf vom 13. August bis 5. Oktober durchgeführt werden. Weitere Informationen dazu auf HAZ.de. Es handelt sich dabei offenbar um eine Stelle in Luthe auf dem Korridorsegment 57, das die Leine quert.

Deutlicher Landschaftseingriff durch Erdkabel
Deutlicher Landschaftseingriff durch Erdkabel
Illustration: Hi
29.05.2018

Elektrosmog im Bett? Bürgerinitiativen Garbsen bei der Infoveranstaltung

Ein Bett wurde vor dem Eingang aufgebaut, unter dem Stromkabel vorbeiführten. Daneben prangt das große Plakat STOPPT DIE TRASSE
Foto: M.Stitz

Mit einer spektakulären Aktion haben die Bürgerinitiativen bei der TenneT-Infoveranstaltung an der Aula am Planetenring auf fehlende Abstandsregelungen von Erdkabeln hingewiesen. Ein Bett wurde vor dem Eingang aufgebaut, unter dem Stromkabel vorbeiführten. Daneben prangt das große Plakat STOPPT DIE TRASSE. In der Tat gibt es bei Erdkabelverlegung des SuedLink keine Abstandregelung zu Wohngebäuden, so dass das Kabel durchaus durch den Vorgarten direkt am Haus entlang verlegt werden kann: 4 Gigawatt (die Leistung von 3-4 Kernkraftwerken) direkt neben dem Kopfkissen.

Die Mitglieder der Bürgerinitiativen waren vor Ort und haben bei der TenneT-Infoveranstaltung kritische Fragen gestellt und verwundert festgestellt, dass einige Mitarbeiter des Veranstalters offenbar nicht über wesentliche Fragen informiert waren, die die Bürger betreffen. So war einigen nicht bewusst, dass auch schon darüber diskutiert wurde, dass SuedLink später erweitert werden könnte auf eine Leistung bis zu 10 GW. Zusätzliche Leitungen werden präferiert dort hin gelegt werden, wo schon welche verlaufen ("Bündelungsgebot"). Damit würde die derzeitig geplante Trasse noch breiter werden. U.a. hat die HAZ darüber berichtet.

Auch wurde an mehreren Info-Tischen behauptet, dass von der Höchstspannungsleitung keinerlei gesundheitliche Gefährdung ausginge. Man fragt sich, woher Tennet diese Information hat, wenn selbst die Strahlenschutzkommission eine Gesundheitsgefährdung nicht sicher ausschließen kann und dazu erst im letzten Jahr Langzeituntersuchungen gestartet hat, die noch mehrere Jahre andauern werden.

Im Planungsverfahren gibt es noch keine neuen Meilensteine zu vermelden. In der Region Hannover sind weiterhin die Ost- und die Westtrasse gleichsam Gegenstand der Untersuchungen (siehe dazu die Karte im Online GIS). Die Übertragungnetzbetreiber müssen nach Abschluss der Prüfungen die Unterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen, die dann darüber informiert und die Träger öffentlicher Belange (Städte u. Gemeinden) um Stellungnahme ersucht. Der aktuelle Stand der Planungen kann hier und hier auf Netzausbau.de der Bundesnetzagentur eingesehen werden.

26.05.2018

Alternativer Szenariorahmenentwurf: forcierter überregionaler Netzausbau ist unnötig

Dokument alternativer Szenariorahmenentwurf
Foto: En

Die Grundlage für den Netzausbau - insbesondere im Hinblick auf die Höchstspannungstrassen wie SuedLink oder SuedOstLink - bildet der Netzentwicklungplan. In ihm wird der erwartete Strombedarf für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in verschiedenen Szenarien prognostiziert und daraus der erforderliche Netzausbau abgeleitet. Delikat dabei ist, dass dieser Plan inhaltlich wesentlich von den Übertragungsnetzbetreibern erstellt wird, die dann an den Leitungsentgelten verdienen. Die Bundesnetzagentur wirkt hier im wesentlichen nur qualitätssichernd mit und entscheidet schlussendlich. Alternative Entwicklungspläne oder Szenarien von anderer Seite gab es bisher nicht.

Nun hat sich aber ein Verein gegründet - der energy platform e.V. - , dem Energieexperten mehrerer Bundesländer angehören. Er hat einen alternativen Szenariorahmen erarbeitet und bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Dieser Szenariorahmen geht von völlig anderen Voraussetzungen aus und kommt auch zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Danach kann auf den forcierten Ausbau überregionaler Höchstspannungstrassen verzichtet werden, und das sogar obwohl ein viel größerer Strombedarf in der Zukunft prognostiziert wird.

Die Kernbotschaft ist, dass zur Erreichung der Klimaschutzziele schnell und konkret fossile Energieerzeugung zurückgebaut werden muss, allem voran die aus Braunkohle. Gaskraftwerke werden als Übergangstechnologie gesehen. Der Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung muss massiv vorangetrieben werden. Um aus dem Dilemma herauszukommen, dass bei der naturgemäß schwankenden Erzeugung erneuerbarer Energie ständig eine fossile Ersatzleistung in annähernd gleicher Höhe vorgehalten werden muss, setzt das Konzept von energy platform e.V. massiv auf den Ausbau der Speichertechnologien auf allen Ebenen. Energiespeicher würden im derzeitigen Planungsprozess ignoriert: "Sowohl ÜNB [Übertragungsnetzbetreiber] als auch die BNetzA [Bundesnetzagentur] erklären sich dafür als nicht zuständig", heißt es. Speicher sind aber Schlüsseltechnologien, die teuren Redispatch und das Vorhalten fossiler Ersatzkraftwerke unnötig machen.

Der Alternative Szenariorahmen 2019-2030 von energy platform e.V. enthält noch weitere Kernthesen, um das Ziel der Versogungssicherheit mit regenrativ erzeugtem Strom für den zukünftigen Bedarf zu erreichen:

Viele dieser Punkte haben auch die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink wiederholt gefordert, um die regenerative Stromversorgung von morgen zu sichern und damit die Klimaziele zu erreichen.

Der alternative Szenariorahmen von energy platform e.V. schließt mit der Aufforderung an Unternehmen, Institutionen, NGOs, Vereine und politische Organisationen, sich dieser alternativen Bedarfsplanung anzuschließen und die Energiewende 'von unten' neu zu gestalten.

Hier gehts zum Dokument auf platform-energy.de

21.04.2018

Max-Planck-Institut: Europäischer Stromhandel verursacht gravierendere Schwankungen im Stromnetz als erneuerbare Energien

Die Übertragungsnetzbetreiber argumentieren oft, dass der SuedLink nötig sei, um Netzstabilität zu erreichen und Schwankungen auszugleichen, die durch die Einspeisung erneuerbarer Energien entstehen. Offenbar ist aber auch der europäische Stromhandel maßgeblich verantwortlich für derartige Schwankungen im Netz.

In einer internationalen Studie hat das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) herausgefunden, dass im europäischen Stromnetz alle 15 Minuten besonders starke Schwankungen auftreten. In genau diesem Zeittakt einigen sich die Energiekonzerne auf dem Strommarkt auf neue Einspeiseverteilungen, die in der Folge zu geänderter Einspeisung und damit Schwankungen im Netz führen. Das Göttinger Tageblatt zitiert dazu Prof. Marc Timme vom MPIDS: „Interessanterweise erscheinen die durch Stromhandel hervorgerufenen Frequenzschwankungen im Netz bedeutender zu sein, als solche, die aufgrund der Einspeisung erneuerbarer Energien auftreten“.

Hier geht’s zum ganzen Artikel beim Göttinger Tageblatt

24.02.2018

Keine ruhige Kugel schieben - Bürgerinitiativen boßeln mit!

beim Boßeln
Foto: En

Die Bürgerinitiativen Garbsen-gegen-Suedlink traten beim achtzehnten Meyenfelder-Wanderpokal-Boßel-Vergnügen mit einer eigenen Mannschaft an. Trotz eisiger Minus-Grade waren 10 Mannschaften sowie zwei Kinder-Teams zu dem Boßel-Turnier angetreten, um die Holzkugeln den Feldweg zwischen Meyenfeld und Horst entlangzurollen.

Erstaunlich viele Kugeln kamen sehr weit, aber so manche landeten auch verfrüht im Gras oder im Unterholz. In geselliger Runde wurde zur Halbzeit den heißen Getränken und mitgebrachten Speisen zugesprochen. Danach hieß es, den Weg wieder zurückzuboßeln. Schließlich wurde im Vereinsheim Meyenfeld zum Aufwärmen und natürlich zur Siegerehrung eingekehrt. Die Mannschaft der Bürgerinitiativen erreichte den 8. Platz - durchaus beachtenswert zumal im Team auch Boßel-Neulinge dabei waren.

Für die Bürgerinitiativen war es eine willkommene Gelegenheit, wieder auf die immer noch aktuelle Suedlink-Problematik hinzuweisen; denn im aktuellen Verfahren ist der Trassenkorridor durch Garbsen weiterhin als Alternativroute ausgewiesen.

04.11.2017

Stopp die Trasse: Neue Plakate

Foto: En

Die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink haben neue Plakate drucken lassen, die nun sukzessive aufgehängt werden. Auf den Plakaten ist das neue Logo der Bürgerinitiativen abgebildet. Es verdeutlicht, dass der SuedLink als Überlandleitung und als Erdkabel abgelehnt wird. Das rote Kreuz stellt klar: hier geht's nicht durch.

28.10.2017

Kritisch-konstruktive Gespräche über Energieversorgung in Garbsen

Es geht nicht immer nur darum, gegen etwas zu sein: Die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink lehnen zwar die SuedLink-Trasse ab, bekennen sich aber ausdrücklich zur Energiewende. Gerade wenn direkt vor Ort Energie regenerativ erzeugt und verbraucht wird, sind Fernstromleitungen wie der SuedLink überflüssig. Vertreter der Arbeitsgruppe "Energieversorgung 2040" Jens-Holger Göttner (SPD), Heinrich Dannenbrink (CDU) und Dirk Grahn (Die Grünen) informierten in der gut besuchten Veranstaltung der Bürgerinitiativen über die Arbeit der Stadtwerke und den Stand der Arbeitsgruppe.

Vertreter der Arbeitsgruppe Energieversorgung 2040 beim Treffen der Bürgerinitiative
Vertreter der Arbeitsgruppe Energieversorgung 2040 beim Treffen der Bürgerinitiative
Foto: We

Insgesamt beträgt der Anteil des in Garbsen regenerativ erzeugten Stroms nicht einmal 10 Prozent. Die Anwesenden waren sich einig, dass man diesen Anteil mit dem richtigen Strom-Mix erhöhen müsse und dass es dazu dringend der Sammlung vieler Ideen und Ansätze bedürfe. Ein erster Vorschlag aus der Runde lautete, dass bei neu ausgeschriebenen Baugebieten in Garbsen klare Vorgaben zur Umweltverträglichkeit und zur energetischen Ausrichtung gemacht werden müssten. Neue Häuser sollten einen möglichst hohen Grad an Energieautonomie aufweisen. Es könne nicht sein, dass heutzutage noch Gebäude entstehen, deren Energiebilanz unter den technischen Möglichkeiten liegt. Entsprechende Vergaberegelungen bei Grundstücken wurden in Garbsen schon angewandt, z.B. Horst-Ost.

Windenergie als regenerative Stromquelle ist nicht unumstritten, wie Waldemar Wachtel vom NABU verdeutlichte. Derzeit wird in Garbsen von nur einem Windrad mit 1 Mio kWh pro Jahr Strom erzeugt, ein Anteil von weniger als einem Prozent des Stromabsatzes der Stadtwerke. Ein weiterer Ausbau der Windenergie ist aufgrund der Bestimmungen im regionalen Raumordnungsprogramm derzeit nicht möglich.

Zudem werden Stromspeicherlösungen interessant. Dirk Grahn erläuterte, dass sich die Technologie inzwischen stark weiterentwickelt habe. Private Solaranlagen müssten den überschüssigen erzeugten Strom mittlerweile nicht mehr ins Netz abgeben sondern könnten ihn auch speichern. Damit würden Autarkiegrade bis 90% möglich.

Dirk Grahn erläuterte ebenfalls, dass die Stadtwerke Garbsen derzeit im Wesentlichen als Stromverkäufer und -verteiler agierten, aber nur in sehr geringem Maße Strom selbst erzeugten. Heinrich Dannenbrink und Dr. Jens-Holger Göttner ergänzten, dass die Geschäftsführung aber bereits signalisiert habe, dass sie auch bereit sei, in die Stromerzeugung vermehrt einzusteigen, wenn es denn den politischen Willen und Auftrag dazu gäbe.

Auf die Nachfrage nach Ergebnissen der Arbeitsgruppe mussten die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass die Arbeitsgruppe seit ihrer Einrichtung vor etwa einem Jahr noch nicht getagt habe. Es fehle an einem Energiekonzeptrahmen, den die Verwaltung zunächst als Grundlage erstellen solle, so Göttner. Aus den Reihen der Bürgerinitiativen wurde großes Interesse signalisiert, dass mit der Arbeit zügig angefangen werde. Organisationen wurden genannt, die Kommunen dabei helfen, sich energieautonom aufzustellen und bei der Erstellung entsprechender Konzepte unterstützen können, wie etwa deENet oder Kommunal erneuerbar. Ferner gibt es eine lange Liste von Orten, die sich mittlerweile autark mit Strom versorgen; auch dort kann man sich Rat holen. Zu dem Thema finden sich weitere Hinweise unter energieautonomie.garbsen-gegen-suedlink.de Einig ist man sich, dass alle verstärkt mitarbeiten müssen, die Klimaschutzziele zu erreichen.

Dr. Göttner und Dannenbrink erläuterten, dass in der Arbeitsgruppe "Energieversorgung" neben den Ratsmitgliedern auch Vertreter der Bürgerinitiativen mitwirken könnten. Ein solches Angebot nehmen die Bürgerinitiativen gern an. Gewünscht wird zunächst eine baldige öffentliche Auftaktsitzung der Arbeitsgruppe "Energieversorgung 2040".

15.10.2017

Energieautonome Orte: kein Bedarf für überregionalen Netzausbau

Fotos: Pixabay, CC0

Immer mehr Dörfer und Städte machen sich auf den Weg, die Versorgung mit erneuerbaren Energien selbst zu übernehmen. So berichteten kürzlich der Spiegel und auch eine Reportage des ZDF über die "Stromrebellen" aus Schönau am Schwarzwald, die - motiviert von den Atomunfällen in Tschernobyl und Fukushima - die Energiewende aus Bürgerhand vorangetrieben haben. Gegen große Widerstände der etablierten Versorgungsunternehmen haben sie die Stromversorgung der Gemeinde übernommen und das Stromnetz zurückgekauft. Mittlerweile wird an fast alle Schönauer Bürger und auch an viele Verbraucher in der Region Ökostrom aus Bürgerhand geliefert. "Das Beispiel Schönau zeigt, dass die Energiewende vor allem dann funktioniert, wenn sie dezentral organisiert ist", heißt es in der ZDF-Reportage.

Es gibt viele weitere Beispiele dieser Art. So produziert die Gemeinde Freiamt (ebenfalls im Schwarzwald) schon jetzt mehr regenerative Energie und Wärme, als sie selbst verbraucht. Freiamt betreibt mehrere Biogasanlagen, Windräder, Wasserkleinkraftwerke sowie 200 Photovoltaikanlagen und 150 Sonnenkollektoren. Zum Vergleich: Freiamt ist mit 4200 Einwohnern in etwa so groß wie Garbsens Ortsteil Horst.

Aber Energieautonomie funktioniert nicht nur im Schwarzwald. ZEIT.de berichtet über das autarke Dorf Feldheim in Brandenburg, dem sogar der damalige Umweltminister Peter Altmaier 2012 einen Besuch abstattete und bemerkte "das was im Großen noch vor uns liege, werde hier im Kleinen bereits erfolgreich praktiziert."

Auch im hohen Norden geht man das Thema an: Die Agentur für Erneuerbare Energienn (AEE) meldet, dass im nordfriesischen Braderup Europas größter Hybridspeicher genutzt wird, um den volatilen Wind- und Sonnenstrom zu speichern. Es handelt sich um eine Kombination aus Redox-Flow- (siehe auch hier) und Lithium-Ionen-Batterien. Die Speichertechnologien der Zukunft kann man in Braderup also schon jetzt erleben.

Die TAZ berichtet, in Remstal werde verstärkt auf das Thema der intelligenten Steuerung von Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch gesetzt. Die BürgerInnen-Energie-Genossenschaft Remstal (BEG) betreibt dort ein Plusenergiehaus. Als Speicher kommt ebenfalls eine Litium-Ionen-Batterie zum Einsatz. Energie wird von Photovoltaikanalagen und vom lokalen Blockheizkraftwerk geliefert.

Es gibt unzählige weitere solcher Beispiele:

Ferner gibt es viele Netzwerke und Organisationen, die Kommunen bei dem Weg in die Energieautonomie unterstützen, etwa

Bei deENet findet man in der Liste der Projekte ein Beispiel ganz in der Nähe: Der "Masterplan Landkreis Osnabrück" soll den Weg aufzeigen, wie man bis 2050 eine 95%ige Reduktion der Treibhausgasemissionen erreichen kann.

Warum sollen wir das in Garbsen nicht auch können?

Übrigens: regional erzeugte Energie aus der Region Hannover gibt's schon jetzt hier zu beziehen: http://www.naturenergie-hannover.de

05.10.2017

So geht's: Oldenburger Energieversorger plant riesige Redox-Flow-Batterie

Die EWE Gasspeicher GmbH, eine Tochter des Oldenburger Energieversorgers EWE, plant einen riesigen Stromspeicher auf Basis der Redox-Flow-Technologie zu bauen. Damit soll Wind- und Solarstrom zwischengespeichert und bei Flaute oder Dunkelheit wieder ins Netz abgegeben werden.

Skizze des Redox-Flow-Prinzips
Skizze des Redox-Flow-Prinzips
Zeichnung: En

Das Redox-Flow-Prinzip ist schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt: zwei unterschiedliche Elektrolyt-Flüssigkeiten werden aus großen Tanks gepumpt und in einer Kammer an einer Membran gegenläufig aneinander vorbei geleitet. Ladungsträger können die Membran passieren. Dadurch entsteht eine Spannungsdifferenz; es kann also Strom erzeugt werden. Sind die Flüssigkeiten entladen und wird an den beiden Seiten der Kammer eine Spannung angelegt, so werden die Flüssigkeiten wieder aufgeladen; man kann also Strom speichern. Dieser Ansatz hat gegenüber anderen Speichertechniken den Vorteil, dass die Ladung nicht mit der Zeit entweicht. Ferner kann man den Speicher unbegrenzt vergrößern, da er nur von der Flüssigkeitsmenge abhängt. Bislang waren die Materialien für den Elektrolyt noch selten und daher teuer, aber mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse, dass sich hier auch organische Materialien und auch Polymere (Kunststoffe) eignen.

In einer Testphase werden zunächst große Tanks für die Elektrolyt-Flüssigkeiten zum Einsatz kommen. EWE plant, die Flüssigkeiten dann in unterirdischen Gaskavernen zu lagern, die ein Volumen von etwa 200.000 Kubikmetern haben. Damit ließe sich elektrische Energie in der Größenordnung von 700 Megawattstunden speichern. Damit kann man ganz Berlin für eine Stunde mit Strom versorgen. Das wäre nach Angaben von EWE die größte Batterie der Welt!

Ein sinnvoller Baustein für das Gelingen der Energiewende!

Mehr Informationen zum Thema:

18.09.2017

Vorzeige-Dorf der Energiewende soll für Braunkohleverstromung weichen

Braunkohlebagger
Foto: Pixabay, CC0

Das ARD-Magazin Monitor berichtet in der Sendung vom 14.9. über das Dorf Proschim in der Niederlausitz. Mithilfe von Biogas- und Photovoltaikanlagen und einem eigenen Windpark erzeugt das Dorf 10 mal so viel Strom wie es selbst verbraucht.

Zum Vergleich: in Garbsen ist es mindestens entgegengesetzt: Bei uns wird derzeit mehr als 10 mal soviel Strom verbraucht wie selbst regenerativ erzeugt - also viel zu wenig!

Proschim hat allerdings ein anderes Problem: es liegt am Rande eines riesigen Braunkohletagebaus (siehe etwa hier auf OpenStreetMap) und die Bagger kommen immer näher. Da die Bundesregierung weiter auf Braunkohleverstromung setzt, wird es wohl bald verschwinden.

Der gesamte Artikel findet sich HIER . Im Video beginnt das Thema bei Minute 3:50. Der Originalton des Videos ist auch im Text zu finden; dort am besten nach dem Stichwort "Proschim" suchen.

20.08.2017

Gesundheitsrisiken der Stromtrassen unklar - Studie soll gestartet werden

Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt mit, dass in den nächsten sechs Jahren verschiedene Studien zu den gesundheitlichen Risiken der Starkstromleitungen durchgeführt werden sollen. Es gibt derzeit noch offene wissenschaftliche Fragen und Verdachtsmomente, dass gesundheitliche Gefährdungen nicht auszuschließen sind. Die Studien werden vom Bundesumweltministerium finanziert.

Zum Artikel beim MDR

19.07.2017

Fernstromleitungen sind ungeeignet zum Ausgleich fluktuierender erneuerbarer Energien

Gern wird von den Befürwortern der SuedLink-Trasse die Wichtigkeit dieser Stromleitung für die Energiewende hervorgehoben. Die Übertragungsnetzbetreiber, die von den hohen Durchleitungsentgelten profitieren, reden gar von der "Hauptschlagader der Energiewende". Der Ausbau von Speichertechnologien wird dagegen nicht thematisiert.

Sackgasse SuedLink
Abbildung: En, CC0

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat einen Artikel veröffentlicht, in dem hergeleitet wird, dass die Energiewende mit diesem Ansatz nicht erreicht werden kann. Selbst bei massivem Ausbau von Wind- und Solarenergieerzeugung kommt es in ganz Deutschland regelmäßig zu Dunkelflauten, wenn keine Sonne scheint und nicht genügend Wind weht. Die erzeugte erneuerbare Wind- und Solarenergie reicht dann bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Umgekehrt wird bei hoher Sonneneinstrahlung und viel Wind viel mehr Strom erzeugt, als benötigt wird. Ein Ausgleich dieses zeitlich verschobenen Mangels und Überangebots kann nur durch durch den Ausbau von Stromspeichern erreicht werden und eben nicht durch Fernstromleitungen. Außerdem muss die Erzeugung regenerativer Energien weiter gefördert und nicht gedeckelt werden!

Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, muss zwangsläufig auf fossile oder atomare Stromerzeugung zurückgegriffen werden; die Energiewende wird somit nicht erreicht.

Das Zahlenmaterial für diese Hochrechnung stammt von der Agora-Initiative, einer Einrichtung, die einen wissenschaftlich-politischen Diskurs zum Voranbringen der Energiewende unterstützt.

Hier gehts zum Artikel in voller Länge auf www.sfv.de.

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