GARBSEN GEGEN SUEDLINK
Bürgerinitiativen Garbsen

16.09.2019

BR-Magazin Unkraut: Energieexperten finden deutliche Worte zur aktuellen Strategie der Energiewende

Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert und Prof. Dr. Michael Sterner sprechen im Interview des BR-Magazins "Unkraut" über die problematische Strategie der Bundesregierung und der etablierten Stromwirtschaft zu Energiewende und Netzausbau - sowie über sinnvolle Alternativen dazu.

Sackgasse Netzausbau
Abbildung: En

Prof. Kemfert erläutert: "Der Plan ist sehr stark optimiert auf die alte Energiewirtschaft. Und man plant jetzt zwei Systeme parallel. Einmal das was man ja hatte, aus Atom und Kohle bestehend, und darauf optimiert man jetzt auch die Netze. Aber man optimiert sie nicht auf eine dezentrale, auf 100% erneuerbare Energien basierende neue Energiewelt, und das ist das große Problem. Wenn wir 100% erneuerbare Energien-Strom haben, haben wir andere Anforderungen an das Stromsystem, und das heißt: mehr dezentral, mehr intelligente [Systeme], mehr Verteilung."

Der Moderator fragt, wer an den den Stromleitungen Geld verdiene. "Das eine sind die finanziellen Interessen, weil ein Netz zu betreiben hohe Renditen bringt: Traumrenditen für Netzbetreiber. Das andere ist, dass man aus einer anderen Energiewelt haraus geplant hat. Das hat man vor 20 Jahren begonnen, das ist verständlich, aber nicht mehr zeitgemäß! Die Start-Ups, junge Unternehmen, stehen Gewehr bei Fuß, wollen in den Markt, können aber nicht, weil sie verdrängt werden von den alten Platzhirschen. Und da muss man den Markt auch öffnen.", so die Energieökonomin.

Auf die Frage "wer bremst?", antwortet sie: "Eindeutig die Politik. [..]Das wichtigste ist, dass man die erneuerbaren Energien stärker und schneller ausbaut. Im Moment haben wir einen Ausbaudeckel. Die Solarenergie wird sogar komplett gedeckelt. Das muss weg! [..]" Sie ergänzt: "Und dezentral vor Ort bedeutet, wir brauchen dezentral mittelfristig mehr Speicher."

Power to gas
Abbildung: En

Prof. Dr. Michael Sterner von der TH Regensburg führt das Thema nahtlos weiter: "Wir brauchen alle Speichertechnologien, die wir haben. Bei der Wärmeversorgung natürlich den Wärmespeicher. In der Mobilität brauchen wir die Batteriespeicher - auch zuhause für die eigene Photovoltaik-Anlage. Wir brauchen aber auch Speicher, die [..] Energie über längere Zeiträume speichern können. Und da haben wir in Deutschland super Bedingungen, denn wir haben riesige Gas-Speicher, die in Kombination mit Gaskraftwerken über 3 Monate hinweg jede Zeit ohne Wind und Sonne überbrücken können - mühelos." Die Antwort auf die Speicherfrage ist also Power-To-Gas: "Wir spalten Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff [mit regenerativ erzeugtem Strom]. Beim Wasserstoff bleiben wir aber nicht stehen, sondern kombinieren ihn mit CO2." Es entsteht Methan - also Erdgas, "und das passt in die Erdgas-Infrastruktur. Da haben wir 500.000 km Gasleitungen quer durch Deutschland, die 4x mehr Energie transportieren können, als die Stromleitungen. Und wir haben die Speicher, die das Stromnetz einfach nicht hat. [..]"

Der Moderator fragt: "Warum wird das noch nicht gemacht?" Darauf Prof. Sterner: "Es hängt an der Politik. [..]"

Hier die Videos zur Sendung vom 29.7.2019


[ ↑ ]